Ich habe mich vor Kurzem wieder einmal mit dem Schutz meiner persönlichen Daten beschäftigt. Wie genau ich darauf kam, weiß ich auch nicht so genau, doch ich habe es als Anlass genommen hier mal etwas dazu zu schreiben, wie ich persönlich mit meinen Daten umgehe, welche Tools und Webseiten ich dazu benutze und welche Baustellen noch offen sind.

Dateien auf allen Geräten

Das erste, was mir in den Sinn kommt, wenn ich über meine persönlichen Daten nachdenke, ist tatsächlich Cloud-Speicher. Ich habe einige Dateien, die ich eigentlich auf allen Geräten brauche. Darunter verschiedene Dokumente zur Selbstorganisation, aber auch meine Finanzen und ähnliches solches Erwachsenen-Zeug. Und da ist es nunmal sehr praktisch, wenn die Dateien einfach "in der Cloud" liegen. Aber das ist eben auch nicht besonders anonym. Anfangs habe ich noch mit Alternativen wie Boxcryptor rumgespielt, also Programmen, die meine Daten vor dem Upload in die Cloud verschlüsseln und beim Download wieder entschlüsseln. Schlussendlich bin ich dann aber bei Syncthing gelandet.

Kurz zur Erklärung: Syncthing ist ein Tool, welches es möglich macht persönliche Daten übers Netzwerk (lokal oder Internet) zwischen Geräten zu synchronisieren. Gefühlt ist zwar ein größerer Initialaufwand von Nöten, um alles so einzurichten, wie man es gerne haben will, doch dann läuft es einfach im Hintergrund mit. Da es auch eine App für Android-Geräte gibt, habe ich immer mindestens ein Gerät dabei, welches den aktuellen Stand vieler Dokumente kennt und auf andere Geräte, die ich anschalte, synchronisieren kann. Und meine Daten bleiben komplett auf meinen Geräten. Ab und an lege ich (noch) manuell Backups an und lege sie verschlüsselt in einem Cloudspeicher von Koofr ab. Zur Verschlüsselung verwende ich PGP über eigens programmierte Skripts, diese könnt ihr euch hier anschauen. Aber zum Thema Backups schreibe ich bestimmt auch nochmal was.

Tracking im Browser

Wenn man im Internet unterwegs ist, wird man ja ständig überall getrackt. Für personalisierte Werbung betätigt sich vor allem Google (nach meinem Wissen) im Geschäft der Datensammlung. Um dies zu umgehen, verwende ich nicht mehr Google als Suchmaschine, sondern setze jetzt schon seit einiger Zeit DuckDuckGo ein. Aktuell liebäugele ich auch noch mit Ecosia, einer Suchmaschine die durch Werbeeinnahmen Bäume pflanzt und gleichzeitig datenschutzfreundlich sein soll. Sie sind mir auch aufgrund der transparenten Finanzen schon mal sympathisch.

Unabhängig von Suchmaschinen setze ich auch die DuckDuckGo-Erweiterung zum Blocken von diversen Trackern und den Adblocker "uBlock Origin" (verfügbar für Firefox und Chrome) ein. Den Adblocker schalte ich jedoch auf einigen Seiten (wie z.B. Ecosia) aus, da ich ansonsten ja auch Einkommen des Betreibers durch Werbung verhindere.

Messenger

Ich verwende mehrere Messenger zur Kommunikation. Für mich heißt das, ich verwende immer den "besten" Messenger, um mit einer Person zu kommunizieren und nutze "schlechtere" nur noch, um Kontakte zu Leuten zu pflegen, die keinen "besseren" Messenger verwenden. Wie gut ich einen Messenger einschätze, hängt dabei hauptsächlich mit Privatsphäre und Bequemlichkeit zusammen, ich verwende Messenger nämlich immer vom PC und vom Handy gleichermaßen.

Aktuell ist wohl Telegram mein Hauptmessenger. Es haben inzwischen doch einige meiner Kontakte Telegram, er ist bequem von PC und Handy aus zu benutzen und ich vertraue ihm etwas mehr als WhatsApp, obwohl die Ende-zu-Ende Verschlüsselung nur zwischen Handys in speziellen Chats funktioniert und ich sie deshalb nur für wirklich sensible Daten nutze. Dadurch bleiben die Nachrichten im Klartext auf den Telegramservern. Aus diesem Grund würde gerne von Telegram zu Signal wechseln, doch da habe ich kaum Kontakte und eigentlich niemand nutzt Signal aktiv. Hier muss ich noch versuchen mich und meine "Hauptkontakte" zu überzeugen.
Ich habe außerdem noch Threema, doch das setze ich nicht ein.

Eine letzte, sehr interessante Alternative ist Briar. Dieses Projekt steckt zumindest aus meiner Sicht noch in den Kinderschuhen, befindet sich aber auf einem sehr guten Weg! Briar ist komplett Ende-zu-Ende verschlüsselt, bietet auch Foren- und Blogfunktionen und es ist auch möglich ohne Internet und Server zu kommunizieren. Briar legt ähnlich wie Signal und Threema auch Wert darauf, dass die Kommunikation nicht nur verschlüsselt ist, sondern man auch bestimmt mit der richtigen Person kommuniziert und nicht mit einem Fake. Auch hier gibt es noch einiges zutun, da man sich aktuell persönlich treffen muss und das ist für so manche Internetbekanntschaft nicht praktikabel, aber ich verfolge das Projekt mit Spannung und freue mich auf das, was da noch kommen wird.

Emails/Kalender/Kontakte

Von Apple bzw. iCloud kommend, habe ich mir auch Google Emailadressen angelegt und auch Kalender und Kontakte mit Google synchronisieren lassen. Hier befinde ich mich gerade jedoch in einem Übergangsprozess hin zu den Angeboten von Mailbox. Sie scheinen für mir ebenfalls wichtige ökologische und datenschutztechnische Werte einzustehen. Dafür bezahle ich aktuell zwar 1€ pro Monat, doch dafür wird mit meinen Daten vermutlich deutlich besser umgegangen.
Eine andere Alternative (zumindest für Kalender und Kontakte), mit der ich mich schon beschäftigt habe, ist ownCloud. Damit kann man selbst auf einem eigenen Server Clouddaten hinterlegen inklusive Dateien, Kalendern und Kontakten. Da ich allerdings lokal keinen Server habe, landen meine Daten sowieso bei irgendeinem Serverprovider im Internet. Ob bei meinem Serverprovider oder bei Mailbox spielt dabei wahrscheinlich nur eingeschränkt eine Rolle. Darum habe ich mich aus Bequemlichkeit und Kostengründen für Mailbox entschieden.

Betriebssystem

Zu dem Thema möchte ich eigentlich nicht viele Worte verlieren, doch ich denke der Vollständigkeit halber gehört es auch hierher. Dass Windows gerne viele Daten sammelt ist bestimmt bekannt, Linuxdistributionen sind hier datenschutztechnisch vermutlich deutlich besser aufgestellt. Vor einiger Zeit habe ich mich (allerdings aus anderen Gründen) dazu entschieden Windows nur noch für Let's Plays und deren Aufnahmen einzusetzen. Als Hauptbetriebsystem auf meinem Tower verwende ich Ubuntu und auf meinem Laptop Manjaro. Damit bin ich inzwischen auch sehr zufrieden, es gibt viele Alternativen für reine Windowsprogramme und auch Möglichkeiten solche auf Linux zum Laufen zu bekommen. Doch auch hierzu würde sich ein eigener Blogeintrag anbieten.

Social Media

Ein anderes großes Thema in Bezug auf Datenschutz sind wohl Social Media Plattformen. Dies ist allerdings für mich persönlich kein großes Thema, da ich Facebook zwar habe, aber nicht wirklich benutze. Twitter war da eher meine Hauptplattform, doch auch von dort habe ich mich inzwischen größtenteils zurückgezogen. Kommunizieren tue ich eigentlich nur persönlich oder über Messenger. Wichtig finde ich nur, dass man sich immer bewusst ist, egal ob privater Account oder private Nachricht: Theoretisch haben die Konzerne auf all das Zugriff. Damit sollte man bewusst umgehen.
Für andere, für die Social Media jedoch eine bedeutende Rolle spielen, kann ich in Bezug auf Datenschutz auf dezentrale Netzwerke wie Diaspora* und Friendica hinweisen. Ich habe sie mir vor einiger Zeit einmal angeschaut, sie waren für mich nicht geeignet, aber ein Blick kann nicht schaden, gerade da sich ja inzwischen auch einiges getan haben wird.

Baustellen

Und schon bin ich im letzten Abschnitt angelangt: Den aktuellen Baustellen. Denn es gibt trotz aller Gedanken und Vorkehrungen noch einiges zutun.

Der größte Dorn in meinem Datenschutzauge ist aktuell Amazon. Ich bestelle viel und gerne auf Amazon und pflege dort auch aufgrund von Bequemlichkeit Wunschlisten. Damit weiß Amazon eine ganze Menge über mich, doch ich habe mich noch nicht aus der Bequemlichkeit erheben können und ich habe auch keine genauso interessante Alternative gefunden.
Die einzige Gegenmaßnahme ist bisher wohl, dass ich hier und da (wenn auch eher selten) auch direkt bei einer herstellenden Firma wie ArmedAngels, Reishunger oder JustSpices bestelle und die damit jeweils nur wissen, was ich für Vorlieben in der jeweiligen Produktkategorie habe.

Auch bei den Bezahlmöglichkeiten spielt Datenschutz tatsächlich eine Rolle. Banken und z.B. Zahlungsanbieter wie PayPal erhalten ziemlich viele Daten dazu, was ich mit meinem Geld mache, wie vermögend ich bin, etc. Dieses Thema bin ich jedoch noch nicht angegangen, ich bezahle im Internet hauptsächlich via PayPal und inzwischen im Laden hauptsächlich mit Karte. Ich habe zwar auch immer genügend Bargeld dabei, um auf eventuelle Ausfälle von Kartenlesegeräten vorbereitet zu sein, doch die krummen Preise und das Management des kleinen Münzgeldes ist für mich momentan ausschlaggebend. Doch auch hierzu werde ich mir in Zukunft wohl noch einige Gedanken machen.

Mehr Baustellen fallen mir momentan nicht ein. Doch es gibt bestimmt einige Themen, die ich vergessen oder an die ich noch nicht gedacht habe.
Habt ihr weitere Tipps zum Thema Datenschutz oder Anmerkungen anderer Art? Dann meldet euch gerne per Email bei mir. Die Adresse findet ihr im Impressum.
Da sich hier auf der Seite keine Kommentare schreiben lassen, werde ich noch schauen, ob es andere Möglichkeiten für einen öffentlichen Diskurs gibt (falls es dafür überhaupt ein Interesse gibt). Spontan fällt mir z.B. Reddit als Möglichkeit ein, doch das muss ich mal sehen.

Zuletzt geändert: 11.12.2018

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